Source::  Süddeutsche Zeitung, 1974-05-29
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Studiomusik auf der Bühne - Popol Vuh im Theater in der Brienner Straße

Popol Vuh, Florian Frickes Münchner Musikgrppe, hat in wechselnden Besetzungen eine ganze Reihe Schallplatten mit einer sehr schönen, sanften, friedlichen Meditationsmusik produziert, Platten von höchster Studiopräzision, denen man die Arbeit wie die spontane Freude am Musizieren gleichermaßen anhören konnte. Diese Musik war bis vor einiger Zeit geprägt von der sehr instrumental gehandhabten Elektronik des Moog Synthesizer, was sehr schnell dazu geführt hatt, daß die Musik von Popol Vuh in den großen Topf geworfen wurde, in dem die Plattenproduzenten einen neue deutsche Mode mit dem Titel Kosmische Musik zusammenbrauten. Florian Fricke schaffte den Rückzug, indem er den Synthesizer aufgab und zum Flügel zurïckkehrte. “Hosiannna Mantra, die erste Platte der neuen Besetzung, wurde dann eine der schönsten des vergangenen Jahres.

Die Gruppe hat nur selten Konzerte gegeben, weil die komplizierten Arrangements der Platten nicht ohne weiteres auf der Bühne reprodzierbar sind. So konnte es auch nicht verwundern, daß ihr Auftritt im Theater an der Brienner Straße nicht so recht gelingen wollte. Schon die Einstimmng mit einer Raga, gespielt von Al Gromer (Sitar) und Shankar Lal (Tablas), schafften den beabsichtigten Einstieg nicht, weil kaum ein westlicher Gitarrist die komplizierten Rhythmus- und Improvisationsstrukturen der Raga so beherrscht, daß er neben der Konzentration auf beides auch noch den nicht weniger komplizierten Dialog mit den Tablas aufrechterhalten kann. Der Einstieg von Popol Vuh mit den hymnisch euphorischen “Du sollst deine Liebste nicht vergessen”, war, mit Florian Fricke am Flügel, dem Gitarristen Daniel Fichelscher am Schlagzeug und der koreanischen Sängerin Djong Yun dagegen ganz in der Stimmung der Popol Vuh-Platten. Später, als Fichelscher sein eigenes Instrument und Roy Randolph des Schlagzeuf übernahmen, zeigten sich die Grenzen der Aufführbarkeit dieser Musik freilich schnell. Zeitweise schien er, als seien die einfachen, einfache Phrasen wiederholenden Musikstücke lediglich die Begleitung für eine nicht vorhandene Hauptstimme. Dazu kam, daß  Fichelscher äußerst unkonzentriert spielte und in nur seltenen Momenten Florian Frickes durchweg überlegenes sicheres Spiel traf. Gelegentlich hatte man den Eindruck, sich auf einer Probe zu befinden, und vielleicht wäre es manchmal in der Tat gut gewesen, wenn die Musiker ein Stück einfach abgebrochen und neu begonnen hätten. Was so nur wie Mühsal ausschaute, hätte dem Konzert eine ehrliche Arbeitsatmosphäre geben können. Und so etwas spürt das Publikum natürlich genau. Die Enttäuschten sollten zur Versöhnung eine Popol Vuh-Platte auflegen.

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